Splitter im Herz Teil 5

Der weiße Hase erreichte das kleine Loch und schlüpfte hinein. Huanna blieb atemlos vor dem Bau stehen und stemmte ihre Hände auf die Knie. Hinter ihr kam Toki aus dem Dickicht gestolpert. Lachend umarmten sie sich und blickten versunken auf die Öffnung im Boden.
„Ich weiß nicht, was ich bei all dem fühlen soll. Auf der einen Seite ist dass, was ich hier erlebe wunderbar und aufregend, andererseits geschehen schreckliche Dinge, die ich nicht einordnen kann.“ Huanna seufzte.
„Im alten Buch von Mush, steht geschrieben: „Am Ende dieses Zyklus wird die Handlung stark vorangetrieben. Das eigentliche Ende aber steht zwischen den Zeilen.“
„Geschwätz!“ Die junge Frau blickte den Vogelmenschen an. Im Morgendlich- sanften Windzug bewegte sich sein Haar und das Gefieder seiner Flügel.
„Wir sind jung und verliebt! Diese ganze triviale Scheiße, die höchstens einen pompösen Showdown provoziert, sollte uns nicht ablenken vom eigentlichen Problem: Wie entkommen wir unversehrt?“
„Huanna, ich...“ Toki ließ entsetzt von ihr ab. „Ich muss meiner Bestimmung folgen. Ich bin in dieser Geschichte nicht mehr als ein dienstbarer Geist...ich...“
„Hör zu, Fliegerass! Dein Hang zu billigen Geschichten ist unübersehbar, aber zufällig hab ich mich in dich verliebt...und...und ich werde alles tun um diesen einen Traum unter all den anderen Träumen, die mich hier umfluten, in meine Realität herüber zu retten. Glaubst du ernsthaft, nach alldem hier könnte ich ohne dich zurückkehren? Wer würde eine solche Geschichte mögen? Du?“
„Ich...“ Toki bebte. Einige hörnchenartige Wesen kamen auch die Lichtung gehoppelt. Der weiße Hase kam schnuppernd aus seinem schützenden Loch. Ein Falke mit schillernden Farben landete auf den Schultern des Vogelmenschen.
„Was ist?“ Huanna wich erstaunt vor ihm zurück. Der Wind wurde stärker. Toki schien in einem innerlichen Zweikampf gefangen zu sein. Immer mehr Kleintiere und Wildschweine trotten auf die Lichtung. Alle starrten auf Toki und schnupperten wie wild in seine Richtung.
„Ich... ich kann nicht Huanna. Du musst mir helfen. Finde einen Weg, mich von meinen Zwängen zu befreien!“ Er sank auf die Knie. „Ich fühle mich, wie eine schlechtdurchdachte Nebenfigur ohne Entscheidungsfreiheit. Irgend etwas blockiert mich!“
Sie beugte sich zu ihm. Einige der Hörnchen legten die Vorderfüßchen auf seine Schenkel und schnupperten ihn an. Zart berührt sie ihn. Er zuckte beschämt zusammen und sah weg.
„Wir werden einen Weg finden Toki.“
Er richtete sich auf. „Zeit, um vor den Rat von Mush zu treten. Dort wirst du deine Fragen beantwortet bekommen.“
„Geschwätz!“, grummelte Huanna.
Toki sah zu Boden.

Nostrula schäumte. Rasende Wut und zügellose sexuelle Gier durchfuhren ihn. Endlich konnte er seine angestauten „Gefühle“ Jassnizas gegenüber zum Ausdruck bringen. Wie blöde, rannte er auf sie zu. Frontal krachte er mit ihr zusammen. Die sowieso schon benommene Königin wurde brutal umgerissen und landete unter den schwitzenden Maniac. Ihr Kopf schlug hart gegen den Stuhl hinter ihr. Ein Fausthieb riss sie zur Seite. Ihre Nase wurde taub. Nostrula zerrte ihre Schenkel auseinander.
„Schlampe!“, röchelte er berauscht. Schon begann er an seiner Hose zu nesteln. Jassniza stöhnte vor Schmerz und versuchte sich zu wehren. Während die Drecksau sich auf sie wälzte, fingerte sie vergeblich nach einem Gegenstand in der Umgegend. Plötzlich begann der Toki-Schädel an ihrer Halskette zu leuchten. Verdutzt stemmte sich Nostrula von ihr hoch und starrte den Schädel an. Jassniza reagierte und rammte dem Kerl das Knie in die freigelegten Weichteile. Ein Schwall Speichel und Sabber ergoss sich über ihr Gesicht. Während sie sich erbrach, richtete Nostrula sich Schmerzverkrümmt auf und hielt sich die Klicker. Die Königin kam auf die Knie und hustete. Nostrula fiel rückwärts über den Bärenschädel und krachte auf den Rücken.
„Aaaaaarrrggh, du Hure! Ich werd dich aufreißen wie noch keine vor dir!“
Friss Scheiße!“, fauchte Jassniza.
Er zog sein Schwert. „Du musst ja nicht lebendig sein“, grunzte er.
Jassniza zog das Schwert ihres Vaters aus dessen Scheide. Seine Leiche blutete sich auf dem Bärenfell aus. Ein weiterer Faustschlag fegte sie ins hintere Zelt direkt auf das große Bett. Benommen wälzte sie sich auf den Rücken und sah den wahnsinnigen mit erhobenem Schwert auf sich zurasen. Sie wich aus und kam auf die Beine, und kippte nach hinten vom Bett. Mit runtergelassenen Hosen drehte sich Nostrula zu ihr um und hob erneut das Schwert. Ein Schritt vorwärts und er stolperte über seine Hose. Er fuchtelte mit den Armen und fiel auf die Seite. Da war Jassniza zur Stelle und rammte ihm das Schwert direkt von unten nach oben durch den Körper. Die Spitze der Klinge drang durch seine verzerrte Fratze. Röchelnd erstarb er. Jassniza richtete sich keuchend auf. Der Kadaver des Toten gurgelte noch. Dann viel sie in Ohnmacht.

Die Überfahrt auf der Gondel war stinklangweilig. Die erhitzten Gemüter beruhigten sich langsam. Kebrah blickte auf die näherkommende Insel. Was würden sie hier vorfinden, außer ihrem Tod? Würde die Mission gelingen? Viel stand auf dem Spiel. Viele Leidensgenossen waren bereit ihr Leben dafür zu geben, um eine in sich logische Welt heraufzubeschwören. Die Bewohner dieses Fantasiegebeutelten Planeten waren es leid mit allem rechnen zu müssen. Monster, immer wiederkehrende Erzfeinde, Action bis zum bitteren Ende, Metamorphosen, Kriege nur um was zum erzählen zu haben...er versank in Selbstmitleid.
Wie gesagt, es war eine stinklangweilige Fahrt.
Irgendwann lief die Gondel auf Sand.
„Bis zum Castel sind es noch ein paar Sperrwürfe!“ Mac’n’Dosch deutete den Strand hinauf zum Stationsturm. Dahinter konnte man hinter einem Waldstreifen das Castel von Leth’Nar erkennen. Licht war durch Fensteröffnungen zu sehen. Wind umwehte die Gruppe und alle atmeten tief ein.
„Ich hoffe man reißt uns nicht gleich den Kopf ab, wenn wir uneingeladen in das Gebäude eindringen.“ Er lächelte grimmig. Die anderen nickten nur.
„Zuallererst müssen wir die Königin erreichen, ohne entdeckt zu werden. Ich weiß, dass sie uns anhören und helfen wird. Allerdings müssen wir uns vor den Schwestern in acht nehmen. Sie verfolgen andere Ziele mit den Kristallsplittern als wir. Die Machtverhältnisse im Castel stehen auf der Kippe. Fast alle Bediensteten Wachen haben das „Entgegenkommen“ der Schwestern genossen und sind ihnen hörig. Diese Idioten haben sich das Hirn rausgenagelt. Die edlen Damen verlangen auch im Bett einen gewissen Tribut.“
„Kennst dich gut aus, Mac’n’Dosch“, knurrte Luss’tig. „Willst du uns anschärfen oder aufklären?“
Mac’n’Dosch räusperte sich. „Also gut. Wir marschieren rein, suchen die Königin und passen auf die Schnellficker der Schwestern auf.“
Kebrah verdrehte die Augen und lächelte im Harrison Ford-Style.
„Dann werden wir unsere Kristalle, den schon vorhandenen hinzufügen und schauen was passiert.“
Bei dieser Bemerkung zuckten die Zwillinge Ernie und Beh’ert unbemerkt zusammen und blickten sich verstohlen an. Dann grinsten sie höhnisch.
„Also los!“

Sie marschierten dahin, wie Schafe zur Schlachtbank...

Huanna kam aus dem staunen nicht mehr raus. Ihr gefiel die ganze Sache sowieso schon, und sie fühlte sich ausgesprochen gut in ihrer Rolle als Dimensionsreisende Vogelmenschgeliebte. Aber das hier schoss den Vogel ab. Sie grinste über diesen Gedanken. Sie waren durch eine reichverzierte, zweiflügelige Tür in den Ratssaal von Mush getreten und der Anblick desselben hatte Mary-Huanna den Atem geraubt. Ein Saal, etwa so groß wie ein mittelgroßes Kirchenschiff, war mit etwa hundert Wesen verschiedenster Herkunft gefüllt. Von der Tür führte ein Mittelweg durch den mit Sitzbänken, Polstern und Hockern ausgestatteten Raum. Ein farbenfroher, mit kleinsten Mustern verzierter Teppichläufer endete vor einer Art Podium. Huanna sah einen schweren, langen Tisch, an dem etwa zehn wichtig aussehende Wesen in lächerlichen Talaren saßen. Alle Anwesenden starrten sie an.
Langsam durchschritt sie den Saal, bemüht elegant und interessant zu wirken. Toki schien sich unbehaglich zu fühlen und sah nur auf den Teppich. In der Mitte des Tisches war ein Stuhl unbesetzt. Der Gang endete direkt vor dem Tisch, wo zwei weitere Stühle auf sie warteten. Huanna und Toki setzten sich.
„Der Oberste Ratsvorsitzende wird in wenigen Minuten eintreffen“, erläuterte einer der am Tisch sitzenden. Er sah aus wie ein Löwe, mit seinem unglaublichem Haarwuchs und dem langen Bart. Die Nase war flach und breit, seine Augen blickten gütig und freundlich.
„ Bis die Extrawurst kommt, könnt ihr mir ja schon mal erzählen auf was er so abfährt. Sieht er gut aus? Rafft er was abgeht? Was denkt ihr über ihn?“ Huanna wollte natürlich damit etwas provozieren und zog die Nase hoch. Sie hatte lange darüber nachgedacht, wie man die Sache angehen musste. Zuerst war da die Tatsache, dass die ganze Schose gewaltig nach Fantasie roch. Wer würde so etwas glauben, geschweige sich darauf einlassen als wäre nichts geschehen. Zwei Dinge waren ihr wichtig: Raus aus diesem schönen aber auf Dauer ungesunden Wahnsinn und zweitens : Toki ! Sie liebte ihn und seinen Hüftschwung.
Toki wurde bei ihrer Bemerkung kreidebleich und starrte sie entsetzt an. Sie bot ihm ein Tic-Tac an. Er wurde noch weißer.
„ Die Extr...äh, ich meine der Vorsitzende, wird deinen Humor hoffentlich zu schätzen wissen.“ Ein finster blickender, alter Tazun-Druide beugte sich nach vorne. „ Du bist noch jung und glaubst, du könntest uns hier verarschen wie ein paar Mietstatisten. Der Samen Tokis läuft dir noch die Beine runter, und du glaubst uns einschätzen zu können? Wenn du wirklich einsteigen willst, in die Geheimnisse des Kristallplaneten, dessen Träne auf diesem Planeten einschlug, solltest du vernünftiger mit uns reden und dem Rat ernsthaft gegenüber stehen.“
Huanna schluckte hart. Verdammt, sie hatte die Situation unterschätzt. Aus den Tiefen ihres Unterbewusstseins schlich kitzelnd der blanke Wahnsinn empor. Sie sah Toki an. Er war bei der Bemerkung des Druiden von Kalkweiß zu Purpurrot gewechselt und nestelte an seinen Flügeln.
„York, du solltest die Kleine nicht erschrecken. Sie scheint zumindest keine gewöhnliche Romanfigur zu sein. Ich schätze sie sehr!“
Die ruhige und tiefe Stimme ließ die Eminenzen hinter sich blicken. Auch Huanna sah erschrocken auf. Hinter dem leeren Stuhl stand Sansar, der Oberste.
„Wie ich sehe, versteht ihr euch bereits prächtig. Es ermüdet mich zusehends, eure ignorante Art zu ertragen, liebe Genossen.“ Er lächelte milde. Dann sah er zu Huanna und verharrte. Sein Schwanengesicht und der lange weiße Hals beugte sich vor. Sein menschlicher Körper war dürr, und umhüllt von einem Talar, der noch lächerlicher war, als die der anderen.
„Erkennst du mich Huanna?“
„Du, du bist der Schwan, den die Kinder töteten!“ Sie hauchte es nur. Elektrischer Geschmack auf ihrer Zunge. Gänsehaut.
„ Ja, ich bin es. Du wirst dich gewiss fragen, was das hier alles soll, und ich werde dich darüber aufklären müssen, warum gerade du hier bist.“ Sansar setzte sich auf den Stuhl. Ein kleines weibliches Wesen kam hinter einem Vorhang hervor und schenkte einen süßlichen Tee ein. Danach verschwand es wieder.
„ Zunächst möchte ich allerdings auf dein kleines Techtelmechtel mit Toki zu sprechen kommen. Wir alle hier, außer vielleicht York, sind uns darüber im klaren, dass solche Sachen passieren. Wir alle ficken gerne. Vergessen wir diese Geschichte also!“ Sansar sah sich um. Alle nickten. Nur York rümpfte die Nase und Toki saß immer noch vollkommen beschämt neben Huanna und wippte nervös.
„ Arschlöcher!“ Mehr viel Huanna dazu nicht ein.
„Kommen wir zur Sache! Die Zeiten vor dem Kometeneinschlag, waren gute Zeiten. Vergangene Zeiten. Unser Planet lebte in einer gewissen Harmonie und Ausgewogenheit. Bis Toki hier erschien... Aus irgend einem unerfindlichem Grund glaubte eine Königstochter mit einer Macht an Tokis Reise in eine höhere Daseinsebene, dass dieser sich umgewandelt und mit etwas Verstand, wenn ich das mal so sagen darf, hier im Ratssaal von Mush einfand. Es ist schon ein paar Zyklen her, dass Toki uns beehrte.“
Sansar warf einen amüsieren Blick auf den Vogelmensch. Die anderen Wesen im Raum begannen in sich hinein zu Gickeln. Huanna sah sich verdattert um. Toki stand ruckartig auf und verließ fluchtartig den Saal. Ein tobendes Gelächter ertönte hinter ihm her als keiner der anwesenden sich noch zurückhalten konnte.
„Was, verdammt, wird hier gespielt? Welch wirres Netz spinnt ihr?!“
Alle drehten sich erneut um und starrten verdutzt auf eine erhabene weibliche Gestalt, die hinter dem Vorhang der Dienerschaft hervorgetreten war.
„Gwen!“ Sansar stand auf und trat ihr entgegen. „ Ich muss mich entschuldigen, für unseren schlechten Geschmack, aber ich glaube ich habe Toki etwas erbost.“
„Habt ihr euch schon wieder über ihn lustig gemacht? Ihr Kindsköpfe! Ich möchte nicht wissen, wie oft ihr selbst alle die Hand in den Schritt legt, um euch etwas gutes zu tun!“ Gwen, die Gemahlin von Sansar kniff die Augen zusammen und blickte in die Runde. Dann ging sie auf Huanna zu.
„Hast du etwa mit Toki, ich meine...“
„Du etwa?“, erwiderte Huanna spitz.
„Und wenn?“ Gwen stemmte die Arme auf ihre ansehnlichen Hüften. In ihren Augen blitzte es.
„Aber, aber, meine Damen. Wer wird den gleich so stürmisch sein.“ Sansar lächelte gequält und bat Gwen am Tisch Platz zu nehmen.
Wieder wuselten kleine weibliche Wesen heran und bewirteten Gwen. Sie waren stark behaart, und bedurften wohl keiner Kleidung. Ihre prallen Formen waren angenehm zu betrachten. Nur ihre Größe von schlappen 90 cm vergraulten einem sexuelle Gelüste. Sie vermehrten sich wie Stallhasen. Ihre Männer wurden zur Arbeit in den unterirdischen Transformatoranlagen genötigt. Doch nicht etwa zu körperlicher Arbeit. Nein. Die Losandoier waren ausgesprochen intelligente und fleißige Forscher und Mathematiker. Ihre Kreativität schöpften sie aus ihren sexuellen Zusammenkünften, die hinter verschlossenen Türen stattfanden. Die Frauen der Losandoier begnügten sich mit Dienstjobs im herzoglichem Gut. Bügeln, kochen, Abwaschen. Leider waren die Losandoier ein ausgesprochen treudoofes Volk. Der Gedanke sich zu emanzipieren, kam ihnen nicht in den Sinn.
„Wenn ich jetzt vielleicht erfahren könnte, warum Sansar der Schwan aus meiner Kindheit ist...“ Huanna lehnte sich zurück.
„Glaubst du an die Macht der Fantasie?“ Sansar beugte sich vor.
„Oh, man, die Nummer ist aus einem Disney- Film, stimmt es?“
„Also gut, scheißen wir auf den ganzen Hokuspokus. Als du noch ein Kind warst, war ich ein ausgewachsener Schwan an einem gewöhnlichen Parksee. Alles war wie es eben in einem Schwanenleben sein sollte. Mein Weibchen war eine Schönheit. Die Parkbesucher liebten uns, das Schwanenpaar vom Kalkfichtensee.
Eines unschönen Tages beobachtete ich des Abends, wie eine Menschengroße Ratte, in der nähe des Kinderspielplatzes, aus dem Nichts erschien...“
„Wie bei Nestor und mir!“, fuhr Huanna ihm dazwischen. Gwen deutete ihr ruhig zu sein.
„Aber ich...“
Sansar fuhr fort. „ Nach kurzer Zeit tauchte ein Mensch auf. Etwa 30.Schlank,
mit Lederklamotten. Er reichte der Ratte einen grünlich schimmernden Gegenstand, der sich später als Kristallsplitter entpuppte. Gerade als die Ratte den Stein an sich nehmen wollte, ertönten mehrere Schüsse. Beide wurden mit Kopfschuss niedergestreckt. Ich sah wie der Nager das Kristall fallen ließ, und dieser in den See rollte. Kurze zeit später erschienen die Häscher. BKA-Beamte!
Rasch war ich zu der Stelle gepaddelt, an der ich den Kristall vermutete und tauchte mit meinem Kopf unter Wasser. Unter mir glomm der Stein im Seeschlamm, nicht größer als ein Dackelschiss. Ohne zu überlegen, schluckte ich das elende Teil runter und ruderte von dannen. Ich sah mir noch an wie die Bullen die Spuren beseitigten. Schön sauber und keimfrei hinterließen sie den Hort der Kinder. Keine Leiche, kein Blut.
Die Tage strichen ins Land und ich bemerkte langsam die Veränderungen, die an mir vorgingen. Ich wurde mir meiner selbst bewusst! Ich war wie von Sinnen, als ich plötzlich die Menschliche Sprache Verstand. Mein Körper genügte nicht mehr den Ansprüchen des Geistes, der in mir geboren war. Zwar genoss ich meine Rundflüge in der Provinz und der Stadt, aber mein Handlungsspielraum ließ, als Schwan, zu Wünschen übrig. Mein Weibchen merkte von alldem nichts. Wie auch?
Die größte Veränderung allerdings kam so unverhofft, wie brutal. Eine Bande kleiner Hosenscheißer hatten meine Frau mit Brot angelockt und mit einer Schlinge gefangen. Sei hatten solange an ihr rumgezerrt, bis sie starb. Ich erfuhr davon als ich sie davon reden hörte. Als ich sie fand, warst du dort und diese Jungs, die sie getötet hatten. Den Rest kennst du... In deinen Augen erkannte ich deine überaus wertvolle Tugend.“
Huanna ließ seine Worte nachhallen. Welche Tugend sollte sie schon besitzen?
„Und?“, warf sie in den Raum. „Weiter?“
„ Ich starb!“
„Und die Veränderung?“
„Ich kam hierher.“
„Und die Tugend?“
„Du nimmst die Sache wie sie ist. Du bist Kosmopolitisch im eigentlichen Sinne. Reif für neue Lebensformen und ihre Kulturen. Selbst dieser Wahnsinn hier, bringt dich kaum aus der Fassung. Du vögelst sogar mit ihnen!“
„Sansar, es reicht!“ Gwen war empört. „ Noch so was und du kannst was erleben!“
Die Anwesenden wackelten alle, dabei, krampfhaft ein Lachen zu unterdrücken.
„Ich gehe!“ Huanna stand auf und wendetet sich zur Tür. Dann rannte sie los und lief lange Zeit durch endlose Gänge, bis sie erschöpft und weinend eine Tür nach draußen in den Wald fand. Im Wald angekommen, schlief sie, an einen Baum gelehnt, ein.

 

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